Schadenfreude

 

[Die Haltung, über das Missgeschick oder Unglück eines anderen Freude zu empfinden]

oder, um Arthur Schopenhauer zu zitieren:

"Der schlechteste Zug in der menschlichen Natur (...) da sie der Grausamkeit enge verwandt ist (...) aber da eintritt, wo das Mitleid seine Stelle finden sollte (...)"

Und ja, passiert jemandem ein Missgeschick, können wir uns gegen ein dämliches Grinsen unsererseits nicht wehren. Warum also geht hier die Häme mit uns durch, wo doch eigentlich Mitgefühl angebracht wäre?

Dein Kollege wird vom Chef zusammengefaltet. Fällt dir zufällig ein Kollege ein, für den du Schadenfreude empfinden könntest?

 

Nun, dann kann es sein, dass:

  • dieser Kollege in etwas, das dir wichtig ist, erfolgreicher ist als du. (NEID..!)(Es ist wie ein kleiner Rachefeldzug, für den du nicht verantwortlich bist, dich aber in vollen Zügen daran ergötzen kannst. Und:
  • du diesen Kollegen nicht besonders sympathisch findest. (ANTIPATHIE..!) Je weniger du ihn ausstehen kannst, umso eher wirst du sein "Unglück" als verdient empfinden.
  • Hinzu gesellt sich dein MINDERWERTIGKEITSGEFÜHL. Je weiter unten es sich auf der Skala befindet, umso mehr kann dir so ein Missgeschick eines Kollegen einen richtigen "Schuss" voller Glückseligkeit setzen.

 

Und wo du dich gerade so freust, will ich dir auch gleich sagen, was dein Gehirn gerade macht. Es aktiviert dein Belohnungszentrum. Das ist der Teil deines Gehirns, der auch in Sachen Sex, Kokain usw. aktiv ist. Also kurz: es sorgt dafür, dass sich etwas für dich als angenehm, genießerisch, freud- und lustvoll anfühlt.

In allem was wir tun, praktizieren wir den sozialen Vergleich. Unser Selbstwertgefühl hängt davon ab, wie wir uns selbst im Vergleich zu anderen einschätzen. Fällt das Ergebnis nicht so gut aus, und wir wünschen uns lieber so zu sein wie der Kollege, oder hätten gerne, was er hat, dann ist das Neid. Und wenn der Neid so richtig schmerzt, dann ist Schadenfreude in diesem Moment eine sehr willkommene Schmerztablette. Noch besser fühlen wir uns, wenn wir den Kollegen nicht ausstehen können und nochmal besser, je minderwertiger wir uns fühlen.

 

Schadenfreude wirkt psychisch entlastend. Es hilft uns, wenn wir sehen:

 

  • dass es dem Menschen, den wir beneiden,
  • dem Menschen, der erfolgreicher ist als wir,
  • dem Menschen, dem wir uns unterlegen fühlen

auch mal beschissen geht. Es wirkt sozial regulierend. Es stärkt unser Selbstwertgefühl.

Mit Neid machst du das Glück der anderen zu deinem Unglück. Mit Schadenfreude das Unglück der anderen zu deinem Glück.

 

1 Gedanke zu „Schadenfreude

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