Das musste ja so kommen..

„Ich hab’s geahnt..!“ – „Das habe ich von Anfang an gewusst..!“ – „Das hätte ich dir gleich sagen können..!“ Ob es das Fussballergebnis ist: „War doch vorhersehbar, dass wir gewinnen..!“, Sabine und Thomas nun ein Paar sind oder dass das Vorhaben in die Hose geht – „Das war doch klar..!“

Wie heißt es doch so schön: „Hinterher hat man’s meist vorher gewusst.“ [Horst Evers]

Warum wir hinterher immer alle klüger sind (bzw. glauben klüger zu sein), erklärt sich so:

Schuld an unseren „Klugscheissereien“, wohlgemerkt im Nachhinein, ist der „Hindsightbias“ (engl.), eine kognitive Verzerrung, ein Rückschaufehler, kurz: ein „eingebauter“ Irrtum unseres Erinnerungsvermögens zu dem wir leider alle neigen. Ein fieser, unbewusster Täuschungsmechanismus unseres Verstandes, der gleichzeitig unser Ego stärkt.

Dieser Mechanismus unseres Verstandes tritt erst im Nachhinein auf, also erst dann, wenn wir bereits Kenntnis über das Ergebnis haben, Kenntnis über den Ausgang eines Ereignisses.

Haben wir erst einmal Kenntnis über den Ausgang eines Ereignisses erlangt, sind wir prinzipiell nicht gerade die Nummer 1 darin, uns auch noch korrekt daran zu erinnern, wie es denn nun eigentlich zu diesem Ausgang des Ereignisses kam. Auch können wir dieses nicht mehr genauso beurteilen, wie zuvor, als wir das Ergebnis noch nicht kannten. Da wir uns mit dem korrekten Erinnern so schwer tun, haben wir also eine Schwachstelle. Wir sind beeinflussbar und somit leicht manipulierbar. Manipulierbar für unseren eigenen Verstand.

Wir überschätzen rückblickend die Möglichkeit, das Ergebnis auch hätten voraussehen zu können. Unsere ursprüngliche Einschätzung zum Ausgang des Ereignisses passen wir einfach an den tatsächlichen Ausgang des Ereignisses an. Somit glauben wir, es vorher schon gewusst zu haben, sind aber doch hinterher erst klüger gewesen.

Nun hat uns aber unser Verstand nicht nur manipuliert, gleichzeitig hat er auch Ego-Pflege betrieben, vermutlich damit wir ihm nicht böse sind. Realisieren wir z.B. das wir bei einer Wette viel Geld verloren haben (Kenntnis über den Ausgang eines Ereignisses), haben wir den tragischen Ausgang vermutlich (hinterher) schon geahnt. Dieses macht es uns leichter das Ergebnis zu ertragen, auch wird so unsere eigene Inkompetenz von unserem Verstand verdrängt und dieses stabilisiert wiederum unsere Psyche.

Somit ist dieses Täuschungsmanöver unseres Verstandes, von dem wir nichts mitbekommen, doch noch eine sinnvolle Einrichtung wenn der Mensch im Nachhinein mal wieder glaubt, alles vorher schon gewusst zu haben.

1 Trackback / Pingback

  1. Worst Case Szenario..! Warum wir immer vom Schlimmsten ausgehen. - verquertewelt

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.